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    Sammler11. März 20258 min

    Goldmine Grading System erklärt – Mint, NM, VG+ und der ganze Rest

    Warum Grading überhaupt existiert

    Jeder Verkäufer auf Discogs, eBay oder im Flohmarkt benutzt eigene Begriffe wie "guter Zustand" oder "minimal bespielt". Das ist Müll. Damit Sammler weltweit dieselbe Sprache sprechen, hat das US-Magazin Goldmine in den 70ern ein klares System entwickelt – inzwischen der De-facto-Standard.

    Wer den Code nicht kennt, zahlt zu viel beim Kauf und bekommt zu wenig beim Verkauf.

    Die Stufen im Detail

    Mint (M)

    Ungespielt, originalverschweißt, direkt aus der Presse. Theoretisch perfekt. Praktisch wird M nie für gespielte Platten vergeben – seriöse Verkäufer benutzen es ausschließlich für sealed copies oder fabrikneue Promos.

    Wer dir eine 1973er Pink-Floyd-LP als "Mint" verkauft, lügt oder hat das System nicht verstanden. Finger weg.

    Near Mint (NM oder M-)

    Sieht aus wie neu, klingt wie neu. Maximal ein bis zwei Mal gespielt, keine sichtbaren Kratzer in normaler Beleuchtung, keine Knister beim Abspielen. Cover ohne Knicke, Ringwear oder Ecken-Stoß. Innenhülle vorhanden und sauber.

    Realität: Nur ca. 10–15 % aller gebrauchten Platten erreichen NM. Wer alles als NM anbietet, lügt.

    Very Good Plus (VG+)

    Leichte Gebrauchsspuren bei genauem Hinsehen, aber kein hörbarer Einfluss auf den Klang. Vielleicht ein winziger Kratzer in der Auslaufrille, leichtes Ringwear am Cover, sonst sauber. Für die meisten Sammler die "Wohlfühlstufe" – klingt top, kostet weniger als NM.

    Das ist die Kategorie, in der die meisten ehrlich gegradeten gebrauchten Platten landen.

    Very Good (VG)

    Sichtbare Kratzer, leichtes Hintergrundrauschen oder Knister an einigen Stellen, aber Musik bleibt klar erkennbar und ohne Skipping. Cover hat Ringwear, evtl. Schreibspuren oder kleine Risse an den Kanten.

    VG ist die Grenze, ab der Musik wirklich Vergnügen macht. Darunter wird's anstrengend.

    Good (G), Good Plus (G+)

    Stark abgenutzt. Hörbares Knistern, sichtbare Kratzer, evtl. leichte Verformung. Spielt durch, aber Hintergrundgeräusche dominieren stellenweise. Cover deutlich beschädigt.

    Sinnvoll nur für extrem seltene Platten, die du in besserem Zustand schlicht nicht bekommst, oder als günstiger Lückenfüller.

    Fair (F) und Poor (P)

    Skipping, tiefe Kratzer, Verzug, evtl. Sprünge. Cover kaputt oder fehlt. Diese Stufen werden in seriösen Shops kaum noch angeboten – nur für Hardcore-Komplettisten oder für die Wand.

    Das Cover separat bewerten

    Wichtig: Vinyl und Cover werden getrennt gegradet. Ein typischer Eintrag sieht so aus:

    Pink Floyd – The Dark Side of the Moon (1973 UK 1st) – Vinyl: VG+ / Cover: VG

    Das heißt: Platte sehr gut, Cover hat sichtbare Gebrauchsspuren. Ein Cover in NM mit Vinyl in VG kostet ungefähr gleich viel wie umgekehrt – beides muss stimmen für Top-Preise.

    Ringwear, Seam Splits und andere Cover-Sünden

    • Ringwear: Abdruck der Innenscheibe auf dem Cover, klassisch bei Doppel-LPs
    • Seam Split: aufgegangene Klebenaht (oben/unten/seitlich)
    • Spine Wear: Abnutzung am Buchrücken
    • Writing: Beschriftungen, Ex-Libris, Preisschilder
    • Punch Hole / Cut Corner: Markierung als Promo oder Restposten

    Jedes dieser Merkmale zieht das Cover-Grading nach unten – auch wenn die Platte selbst NM ist.

    Visuell vs. Play-Graded

    Visuell gegradet heißt: Verkäufer hat die Platte angeschaut, aber nicht abgespielt. Das ist risikoreich, weil unsichtbare Haarlinien-Kratzer trotzdem knistern können.

    Play-graded heißt: Verkäufer hat die Platte komplett abgespielt und das Grading basiert auf dem tatsächlichen Klang. Das ist Gold wert – und kostet bei seriösen Anbietern auch ein paar Euro mehr.

    Der häufigste Fehler beim Selbstgrading

    Sammler bewerten ihre eigenen Platten fast immer eine Stufe zu gut. Wer "VG+" denkt, hat oft "VG". Beim Verkauf führt das zu Reklamationen. Faustregel: lieber ehrlich VG angeben und positiv überraschen als VG+ versprechen und enttäuschen.

    Wer seine Sammlung verkaufen will, sollte vorher unsere Anleitung zum Wert schätzen lesen – dort gehen wir auf Pricing pro Grade ein.

    Fazit

    Goldmine ist kein Hexenwerk: zwei Buchstaben, klare Regeln, weltweit gültig. Wer das System kennt, kauft besser, verkauft fairer und ärgert sich seltener. Und immer dran denken: Vinyl und Cover getrennt bewerten.

    Unsicher beim Grading deiner eigenen Sammlung? Bring sie bei Second Music & Fun in München vorbei. Wir gehen die Platten gemeinsam durch, gradieren ehrlich und geben dir ein Ankaufsangebot, das auf realen Marktdaten basiert.