Plattensammlung aus Erbschaft verkaufen – Anleitung für Angehörige
Wenn plötzlich tausend Platten im Keller stehen
Eine geerbte Plattensammlung trifft Angehörige oft unvorbereitet. Da sind 800, 1.500 oder manchmal über 3.000 Platten – und die Frage: Was jetzt? Behalten? Verkaufen? Verschenken? Wegwerfen wäre die schlimmste Option, denn unter dem Staub können fünfstellige Werte schlummern. Aber blind verkaufen ist genauso falsch.
Diese Anleitung zeigt dir den strukturierten Weg – von der ersten Sichtung bis zur Übergabe oder Auszahlung. Wir machen das in München regelmäßig und kennen die typischen Stolpersteine.
Schritt 1: Erste Sichtung – nichts wegwerfen, nichts reinigen
Klingt banal, ist aber der häufigste Fehler: Niemals geerbte Platten ungefragt reinigen oder umpacken. Originalhüllen, Inserts, Innenhüllen mit handschriftlichen Notizen – das alles kann den Wert massiv beeinflussen. Auch der vergilbte Aufkleber des alten Plattenladens auf dem Cover gehört zur Provenienz und sollte erstmal bleiben.
Was du tun darfst und solltest:
- Platten trocken lagern, am besten im Originalkarton
- Aufrecht stellen, nicht stapeln
- Fotos vom Aufbewahrungsort machen (für die Erbenmasse-Dokumentation)
- Eine grobe Schätzung des Umfangs notieren (Anzahl LPs, 12"-Maxis, 7"-Singles, CDs)
Schritt 2: Erbenrechtliche Klärung
Bevor irgendetwas verkauft wird: Ist die Erbschaft angenommen? Wer ist Miterbe? Bei mehreren Erben ist die Sammlung Teil der Erbenmasse und kann nur einvernehmlich verkauft werden – oder nach Erbauseinandersetzung.
Praktisch heißt das:
- Schriftliche Vollmacht aller Miterben einholen, bevor verkauft wird
- Bei Streitfall: Notar einbeziehen (besonders ab vermutetem Wert > 5.000 €)
- Wert dokumentieren vor Verkauf – das schützt dich, falls später jemand höhere Werte vermutet
Schritt 3: Den Bestand sichten
Jetzt geht's an die Sammlung. Plane einen ganzen Tag ein – Kaffee, ruhige Hände, Fotokamera. Diese Fragen beantwortest du:
- Wie groß ist die Sammlung wirklich? Genaue Anzahl pro Format.
- Welche Genres dominieren? Jazz, Klassik, Krautrock und Soul sind aktuell besonders gesucht; deutsche Schlager und 80er-Pop hingegen meist Massenware.
- Wie ist der Erhaltungszustand? Stichproben durch Sichtkontrolle reichen erstmal.
- Gibt es Auffälligkeiten? Promo-Stempel, Signaturen, Box-Sets, audiophile Labels (Mobile Fidelity, ECM, Blue Note Liberty), originale Erstpressungen aus den 60ern/70ern.
Schritt 4: Die "Highlights" identifizieren
In fast jeder Sammlung stecken 5–20 Platten, die 50 % des Gesamtwertes ausmachen. Lerne, sie zu erkennen. Typische Wertbringer:
- Original Blue Note (Lexington, 47W63rd, NY USA Adressen)
- Erste Beatles-Pressungen (Parlophone UK, Apple Mono)
- Pink Floyd EMI/Harvest UK-Erstpressungen
- ECM Jazz (1970er-Releases, deutsche Pressungen)
- Krautrock (Ohr, Pilz, Brain – frühe Auflagen)
- Original Stones-Decca-Mono-Pressungen
- Klassik-Sets Decca SXL, EMI ASD, DGG Tulip
- Soul-/Funk-Singles auf Stax, Motown, King Records
- Reggae/Dub Pre-1980 Originale auf jamaikanischen Labels
Mach von diesen Platten detaillierte Fotos: Cover vorne/hinten, Label, Matrix-Nummer in der Auslaufrille. Das brauchen seriöse Käufer.
Schritt 5: Verkaufsweg wählen
Du hast vier realistische Optionen – jede mit Vor- und Nachteilen.
Option A: Komplettverkauf an Plattenladen
Vorteil: Schnell, kein Aufwand, Barzahlung sofort, professionelle Abholung möglich. Nachteil: 40–60 % vom Endkundenpreis, weil der Laden Risiko und Aufwand übernimmt. Geeignet für: Erbengemeinschaften, die zügig auflösen wollen; durchschnittliche Sammlungen ohne extreme Highlights.
Option B: Highlights an Sammler, Rest an Laden
Vorteil: Maximaler Erlös bei den wertvollen Stücken. Nachteil: Aufwand für Recherche, Fotos, Versand, Verhandlungen. Mehrere Wochen Zeitaufwand. Geeignet für: Sammlungen mit klaren Highlights und Erben, die selbst Zeit investieren wollen.
Option C: Auktionshaus
Vorteil: Bei extremen Raritäten (Erstpressungen jenseits 1.000 € pro Stück) erzielt man hier oft die höchsten Preise. Nachteil: Hohe Provisionen (15–25 %), Wartezeit von Monaten, Auktionsrisiko. Geeignet für: Sammlungen mit nachweislich seltenen Einzelstücken.
Option D: Discogs-Eigenhandel
Vorteil: Theoretisch höchste Marge. Nachteil: Du wirst zum nebenberuflichen Plattenhändler. Realistisch 6–12 Monate, technisches Verständnis erforderlich. Geeignet für: Erben, die selbst bereits Sammler sind.
In 80 % der Fälle ist eine Mischung aus A und B die beste Wahl: Highlights gezielt verkaufen, den Rest komplett an einen Laden.
Schritt 6: Den richtigen Plattenladen finden
Worauf du bei einem Münchner Plattenladen achten solltest:
- Vor-Ort-Termin wird angeboten (bei größeren Sammlungen)
- Schriftliches Angebot mit Aufschlüsselung
- Goldmine-Grading wird verwendet
- Bewertungen und Referenzen vorhanden (Google, Discogs)
- Faire Anzahlung möglich, falls Sammlung erst später abgeholt wird
Bei Second Music & Fun machen wir das so: Du schickst Fotos und einen groben Genre-Überblick, wir kommen vorbei (im Großraum München), gradieren vor Ort, machen ein schriftliches Angebot – und du entscheidest in Ruhe. Mehr auf unserer Ankauf-Seite.
Schritt 7: Steuerliche Aspekte
Der Verkauf einer geerbten Plattensammlung ist in Deutschland in der Regel steuerfrei, weil die Spekulationsfrist (1 Jahr für bewegliche Wirtschaftsgüter) durch die Erbschaft "geerbt" wird – wenn der Erblasser die Platten länger als ein Jahr besessen hat (was bei Sammlungen praktisch immer der Fall ist).
Achtung: Bei sehr hohen Werten (> 50.000 €) empfehlen wir die Klärung mit dem Steuerberater, besonders bei Verkauf in Etappen über mehrere Jahre.
Erbschaftssteuer kann auf den Sammlungswert anfallen, wenn die Freibeträge des Erben überschritten sind. Auch dafür ist eine dokumentierte Wertschätzung die Basis.
Schritt 8: Das Emotionale nicht unterschätzen
Eine Sammlung ist immer auch Lebenswerk. Erlaube dir, einzelne Lieblingsplatten oder solche mit Erinnerungswert herauszunehmen, bevor verkauft wird – das ist legitim und macht den Abschied leichter. Manchmal hilft es, die Highlights vorher einmal aufzulegen, eine Tasse Kaffee zu trinken und sich von der Musik des Verstorbenen zu verabschieden.
Checkliste: Erbschaft Plattensammlung
- [ ] Sammlung trocken und aufrecht lagern
- [ ] Erbenrechtliche Lage klären (Vollmacht, Notar)
- [ ] Umfang grob inventarisieren
- [ ] Highlights fotografieren (Cover + Matrix)
- [ ] 2–3 Plattenläden zur Begutachtung anfragen
- [ ] Auswahl: Komplettverkauf, Splitverkauf, Auktion
- [ ] Schriftliche Angebote einholen
- [ ] Zahlungsweg klären (Bar / Überweisung / Anzahlung)
- [ ] Übergabeprotokoll erstellen
Fazit
Eine geerbte Plattensammlung verdient Respekt – nicht den Sperrmüllcontainer und auch nicht den ersten Aufkäufer, der "alles für 200 Euro" anbietet. Mit strukturiertem Vorgehen schützt du den Wert und ehrst gleichzeitig die Liebhaberei des Vorbesitzers.
Du hast eine Sammlung in München oder Umland geerbt? Schreib uns oder schick Fotos – wir kommen vorbei, gradieren professionell und machen ein faires Angebot. Bei großen Sammlungen oft noch am selben Tag.